O du fröhliche, o du selige

Advent – Vorbereitungszeit auf das Kommen des Gottessohnes in unsere Welt. Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen begannen rechtzeitig, dem göttlichen Kind an Weihnachten einen würdigen Empfang zu bereiten. Dazu dienten die beiden gutbesuchten, lichterfüllten Rorategottesdienste der 4. Klasse am 5. Dezember zum Thema: „Engel sind unterwegs“ und der 1. – 3. OS am 13. Dezember zum Thema: „Licht“, aber auch der vorweihnächtliche Gottesdienst für unsere Seniorinnen und Senioren am 12. Dezember mit dem Flötenensemble „Flaute dolce“ und dem gemeinsamen Mittagstisch im Pfarreizentrum.

Seit dem 10. November haben sich 26 engagierte Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse bis zur 1. OS in vielen Proben auf das Weihnachtsfest vorbereitet, um uns allen das Geheimnis von Weihnachten mit dem Weihnachtsspiel: „Der kleine Hirte und der grosse Räuber“ von Lene Mayer-Skumanz näher zu bringen [Regie: Heidi Oegerli und Bernadette Bärtschi – E-Piano: Dominique Aubry].

Am Heiligabend um 16.30 Uhr war es dann soweit. Zahlreiche Familien füllten unsere Kirche fast bis auf den letzten Platz, um sich im beliebten Familiengottesdienst die Weihnachtsbot-schaft nicht nur anzusehen und anzuhören, sondern auch mitten in dieses Geschehen hinein genommen zu werden. Das Frohe Botschaft des Weihnachtsevangeliums wurde uns nun plastisch vor Augen geführt.
Als die Hirten die Nachricht von der Geburt des Retters erhalten, macht sich auch der kleine Hirte David auf. Er nimmt Milch, Brot und Käse als Gaben mit. Unterwegs verschenkt er seine Decke an eine frierende alte Frau, seine Milch dem durstigen Mädchen Rebekka und das Essen an den grossen Räuber Horrifikus, der ihn schon die ganze Zeit verfolgt und dessen Magen fürchterlich knurrt. Im Stall angekommen, spürt der kleine Hirte, dass er ja gar nicht ohne Geschenke dasteht, bringt er doch einen grossen Räuber mit. Der verwandelt sich unter den Augen des Göttlichen Kindes in einen grossen Hirten.
Mit sehr grossem Einfühlungsvermögen haben alle Kinder ihr Bestes gegeben. Ihre Begeisterung und Freude hat sich auf die ganze Gottesdienstgemeinschaft übertragen. Bestimmt hat nicht nur der grosse Räuber Horrifikus die Weihnachtsbotschaft zu Herzen genommen.

Im Mitternachtsgottesdienst um 23.00 Uhr als auch im Festgottesdienst am 25. Dezember sang der Kirchenchor unter der Leitung von Ulrika Meszaros 3 Weihnachtsresponsorien von Michael Haydn für Chor, Streicher und Orgel. Nebst den bekannten Weihnachtsliedern „O du Fröhliche“, „Maria durch den Dornwald ging“ und „Nun freut euch, ihr Christen“ erklang das „Stille Nacht, Heilige Nacht“ besonders stimmungsvoll an seinem 200. Geburtstag. Am diesjährigen Weihnachtsfest ist es 200 Jahre her, seit in Oberndorf bei Salzburg zum ersten Mal jenes Weihnachtslied erklang, das inzwischen die ganze Welt erobert hat. Für Millionen von Menschen rund um den Erdball ist dieses schlichte Musikstück zum Inbegriff von Weihnachten geworden. Eine gute Gelegenheit um in der Weihnachtspredigt aufzuzeigen, was dieses Lied in seiner 200-jährigen Geschichte alles bewirkt hat – sei es am Beginn des 19. Jahrhunderts als durchziehende französische Truppen ein ausgeplündertes Land in Armut und Not zurückliessen, 100 Jahre später im sogenannten Weihnachtsfrieden von 1914 oder in der Schlacht von Stalingraf 1942. Immer wieder ertönte dieses Krippenlied der Sehnsucht nach Frieden und Liebe, das in diese Hölle des Krieges hineinfragte: Mensch, warum hast du denn keine Krippe? Wer sich zur Krippe aufmacht, glaubt daran, dass der Mensch auch anders könnte: dass er fähig zu Liebe und Friede wäre. Wer sich zur Krippe aufmacht, glaubt an die Macht des göttlichen Friedens. Wer sich zur Krippe aufmacht, glaubt, im kleinen Kind der Grösse und Macht Gottes zu begegnen.
In diesem Lied wird uns gesagt: „Fürchtet euch nicht, Christus, der Retter ist da“. Er ist es, der uns den Frieden zuspricht. Doch der Friede muss zuerst einmal unser eigenes Herz erfassen. Je mehr Menschen vom göttlichen Frieden berührt werden, desto mehr können ganze Gemeinschaften und Gesellschaften Lieder der Hoffnung singen. Ob heute wirklich Weihnachten ist, entscheidet sich nicht zuletzt in uns: Trauen wir Gott den Frieden zu, den wir nicht haben? Die Freiheit, wo wir Abhängigkeit sehen? Freude, wo wir in Trauer versinken? Leben, wo doch der Tod uns bedroht? Dann ist Weihnachten, wenn wir sagen: Amen, so ist es. Gott schafft dabei meine Zweifel und Ängste nicht aus dem Weg, sondern kommt in sie hinein, erleuchtet sie von innen.

Herzlichen Dank allen, die beim Krippenspiel und den Gottesdiensten mitgewirkt haben, den Schülerinnen und Schülern, dem Kirchenchor, der Organistin, dem Streicherensemble, der Ministrantengruppe, dem Sakristanenteam, der Floristin, dem Sekretariat, aber auch allen im Hintergrund, die nicht namentlich aufgeführt sind. Dank euch allen erlebten wir besinnliche und erfüllte Weihnachtstage.

Josef Schenker

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