Schreie aus der Zisterne

Sie nahmen mich gefangen und warfen mich in die Zisterne,
ein Sturz in die Tiefe, in das Dunkel, das kein Ende hatte.
Nun umgab mich Dunkelheit und schwarze Nacht.
Niemand war da, der mich auffing.
Ich stürzte zu Boden.
Zusammengerollt lag ich da.
Mein Körper war zerschunden, übersät mit Wunden.
Ich sah den Tod vor Augen.
Ich rief nach rettung, aber niemand hörte mich.

Warum musste ich diese ungerechte Gefangenschaft erleiden?
Ich protestierte gegen die Ungerechtigkeit.
Meine Klagen richteten sich an die Mächtigen,
die die Rechte und Würde des Menschen zertraten.
Ich wollte leben, frei sein.
Ich wollte nicht mehr hungern,
nicht mehr vom Müll leben.
Ich wollte arbeiten und Rechte haben.
Ich forderte den gerechten Lohn,
aber sie gaben ihn mir nicht.
Ich wollte meine Würde zurückhaben.
Ich schrie auf, aber sie nahmen mich gefangen.
Sie warfen mich in die Zisterne,
in die Gefängniszelle, hinter Gitter.

Ich liege in der Zisterne, dem Tod ausgeliefert.
Das Todesurteil wird vollstreckt.
Am Tage schaue ich in den hellen Himmel.
Die Stunden des Lichtes sind wie Hoffnungsschimmer,
die Befreiung und Rettung verkünden.
Aber in der Nacht zerplatzen die Träume auf Leben.
Die Dunkelheit zerfrisst den letzten Lebensnerv.
Das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten macht mich mürbe.
Ich gebe auf.
Wann kommt für mich der Tag der Befreiung?
Jede Nacht hoffe ich auf den Morgen.
Er bringt das Licht:

Beten wir für jene Menschen die aus einer Zisterne schreien. Möge mindestens ein kleiner Lichtschimmer das Dunkle etwas heller machen.


Herzliche Grüsse und einen guten Wochenstart

Christa Niederöst